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Geburt Kalb: Wichtige Aspekte und Management-Tipps

Die erfolgreiche Geburt eines Kalbes erfordert sorgfältige Vorbereitung und aufmerksame Begleitung. Erfahren Sie, welche Phasen durchlaufen werden und wie Sie optimal unterstützen können, um einen gesunden Start für Kalb und Kuh zu gewährleisten.

Die fünf Phasen der Geburt eines Kalbes

Die Geburt eines Kalbes ist ein komplexer physiologischer Prozess, der in fünf definierte Phasen unterteilt wird. Das Verständnis dieser Phasen ermöglicht es, den Geburtsverlauf optimal zu begleiten und bei Komplikationen rechtzeitig einzugreifen.

Vorbereitungsphase: Anzeichen und Dauer

24 bis 48 Stunden vor der Kalbung zeigen sich deutliche Anzeichen:

  • Anschwellen der Vulva und Füllung des Euters
  • Zunehmende Unruhe der Kuh
  • Entspannung des Beckenbandes
  • Häufiges Liegen und Aufstehen
  • Reduzierte Futteraufnahme
  • Leichtes Absinken der Körpertemperatur

Öffnungsphase: Was passiert im Körper der Kuh?

Diese Phase dauert 2 bis 6 Stunden und kennzeichnet sich durch:

  • Einsetzen der aktiven Wehentätigkeit
  • Öffnung des Geburtskanals
  • Platzen der Wasserblase
  • Austritt der Schleimblase
  • Vollständige Öffnung des Muttermundes

Aufweitungsphase: Der Beginn der Geburt

In dieser 1 bis 3 Stunden dauernden Phase werden die Vorderbeine und die Nase des Kalbes bei normaler Vorderendlage sichtbar. Die Kuh zeigt intensive Presswehen und wechselt häufig zwischen Stehen und Liegen.

Austreibungsphase: Die eigentliche Geburt

Diese entscheidende Phase dauert 30 Minuten bis 2 Stunden. Der Kopf und die Schultern des Kalbes stellen dabei die größte Herausforderung dar. Nach deren Passage folgt der Rest des Körpers meist zügig.

Nachgeburtsphase: Wichtige Nachsorgemaßnahmen

  • Sofortige Reinigung der Atemwege des Kalbes
  • Desinfektion des Nabelstumpfs
  • Überwachung der Nachgeburtsablösung (innerhalb von 12 Stunden)
  • Erste Kolostrumgabe innerhalb der ersten zwei Lebensstunden
  • Kontrolle der Kuh auf Verletzungen

Wichtige Management-Tipps nach der Geburt

Die ersten Stunden nach der Geburt sind entscheidend für die Gesundheit von Kalb und Kuh. Ein strukturiertes Management-Protokoll sollte folgende Aspekte umfassen:

  • Atemwegskontrolle und -stimulation bei Bedarf
  • Sorgfältige Nabeldesinfektion
  • Zeitnahe Kolostrumversorgung
  • Kontinuierliche Überwachung in den ersten 24 Stunden
  • Regelmäßige Kontrolle der Vitalfunktionen

Kolostrumversorgung: Warum sie entscheidend ist


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Die Kolostrumversorgung ist fundamental für die Gesundheit und Entwicklung des neugeborenen Kalbes. Das Kolostrum, die erste Milch nach der Geburt, enthält eine hohe Konzentration an Antikörpern für das noch unausgereifte Immunsystem des Kalbes. Da Kälber ohne schützende Antikörper geboren werden, benötigen sie diese passive Immunisierung durch das Kolostrum zum Schutz vor Infektionen in den ersten Lebenswochen.

  • Aufnahmemenge – mindestens 10% des Körpergewichts innerhalb der ersten vier Lebensstunden
  • Optimaler Zeitpunkt – innerhalb der ersten zwei Stunden nach der Geburt
  • Qualitätsstandard – Immunglobulingehalt von mindestens 50 g/l
  • Messmethode – Überprüfung mittels Kolostrometer
  • Risiken bei Unterversorgung – erhöhte Gefahr von Durchfall, Atemwegsinfektionen und anderen Gesundheitsproblemen

Gesundheitscheck der Kuh: Verletzungen erkennen

Nach der Geburt ist eine gründliche Gesundheitskontrolle der Kuh unerlässlich. Besonders wichtig ist die Untersuchung auf Geburtsverletzungen im Geburtskanal, an der Vulva oder am Damm, um Infektionen vorzubeugen.

  • Überwachung der Nachgeburt – Ausstoßung normalerweise innerhalb von 6-12 Stunden
  • Kontrolle der Körpertemperatur – Erhöhung kann auf Uterusinfektion hinweisen
  • Beobachtung der Futteraufnahme – Verminderung deutet auf Komplikationen hin
  • Überprüfung des Ausflusses – übelriechender Ausfluss als Warnsignal
  • Eutergesundheit – Kontrolle auf Ödeme durch einsetzende Milchproduktion

Eine regelmäßige Beobachtung der Kuh in den ersten Tagen nach der Geburt ermöglicht es, Verhaltensänderungen frühzeitig zu erkennen und bei Bedarf schnell zu reagieren. Dies ist entscheidend für eine rasche Genesung und die Rückkehr zur vollen Produktivität.